Die Postversorgung in Nieblum

Bis zur Eröffnung der ersten Poststelle in Nieblum wurde die Post von Wyk nach Nieblum befördert und von hier durch einen Boten ausgetragen. Der Nieblumer Bote war aber nicht nur für Nieblum, sondern für ganz Westerlandföhr zuständig. Von 1835 – 1862 versah dieses Amt Rudolf Ziesenitz. Im Sterberegister von St. Johannis heißt es 1862: in den letzten 27 Jahren war er Postbote für Westerlandföhr, sich auszeichnend in seinem Berufe durch Treue, Gewissenhaftigkeit und Verschwiegenheit.

Als am 9. Juni 1889 die erste Postagentur in Nieblum errichtet wurde, war der Posthalter auch für die Zustellung der Post an die „Süddörfer“ der Insel bis Utersum verantwortlich.

1890 eröffnete man die erste Fernsprechverbindung nach Wyk. Die Postverbindung dorthin bestand zweimal täglich. Vormittags durch Fuhrwerk, nachmittags durch Botenpost.

Boy Broder Friedrichs war der erste Posthalter; die Agentur befand sich im heutigen Haus „Jong Göntje“ im Kapitän-Paulsen-Weg und wurde 1890 in die heutige „Lohdeel“ verlegt. Boy Broder versah das Amt des Posthalters bis zu seinem Tode 1916. Dann zog die Agentur in die heutige Poststraat (Ida Friedrichs), wo sein Sohn Sohphus seit 1901 eine Landwirtschaft betrieb und den Milchwagen fuhr. Er übernahm nun die Postagentur. Auch der Vater Boy Broder war nur nebenberuflich im Postdienst tätig, denn allein von der Verwaltung der Poststelle konnte man damals nicht leben. Der Postempfang und –versand war bei weitem nicht so umfangreich wie heute. Viele Nieblumer holten sich die Post am Schalter selbst ab, und der Rest, der noch ausgetragen werden musste, ging bequem in eine Posttasche. Bedingt durch die Seefahrer und Auswanderer hatte Nieblum jedoch, wie auch die übrigen Inseldörfer schon frühzeitig einen „weltweiten“ Postverkehr!

1949 verstarb Sophus Friedrichs, und sein Sohn Detlef löste ihn als Posthalter ab. Dieser wurde von seiner Frau Ida und der Ältesten der sieben Töchter, Christina, tatkräftig unterstützt. Nach Erreichen der Altersgrenze gab daher Detlef 1966 sein Amt an seine Tochter Hardina weiter, die Nieblums Posthalterin wurde und 1968 in das neue Postgebäude einzog. Als sie heiratete, ließ sich auch ihr Mann, Manfred Brett, umschulen und wurde Postbote. So konnte 1989 nicht nur das 100-jährige Bestehen der Nieblumer Poststelle feierlich begangen werden, sondern auch das seltene Jubiläum, dass die Verwaltung der Stelle, nunmehr in der 4. Generation stets in einer Familie blieb.

Übrigens wäre Nieblum beinahe schon 115 Jahre früher in den Genuß einer Poststelle gekommen: 1773 sollte für Wyk ein Postmeister ernannt werden. 4 Bewerbungen gingen ein. Neben Lobbe Lobbsen, Wyk, der die Wyker Postverwaltung einige Jahre innehatte, bewarb sich auch Johann Petersen, Nieblum, Königl. Hebungsbeamter (Haus „Wolltöft“), der sich aber ausbat, das Postkontor nach Nieblum zu verlegen. Wenn auch noch die Amrumer verpflichtet würden, ihre Post nach Nieblum einzuliefern, wollte er 100 Rbtl. für die Konzession jährlich an die Postkasse entrichten. Obwohl der Amtmann von Tondern und der Landvogt sich für Petersen einsetzen, entschied sich das General-Postamt für Wyk, da die mit dem Fährschiff ankommende, für Wyk bestimmte Post sonst erst nach Nieblum und dann wieder nach Wyk befördert worden wäre. Lobbsen musste sein Angebot auch auf 100 Rbtl. erhöhen und wurde 1774 zum Postmeister ernannt, während Nieblum noch 115 Jahre auf eine eigene Poststelle warten musste.

Poststraat 7
erbaut 1751

1751 – 1765 Nahmen Nickelsen, Kapitän, heiratete Marina Jacob Harrsen aus Haus Nr. 47. 1775 war er Gangfersmann. Das Haus kaufte Brar Arfsten, der es 1766 an Nickels Wögens weiterverkaufte. Nahmen erwarb 1770 Haus Nr. 90.

1766 Brar Arfsten

1766 – 1770 Nickels Wögens, Seefahrer, später Uhrmacher, unterrichtete auch in Navigation (auch J. J. Eschels). Als Seefahrer nannte er sich Cornelius Willems.

1773 – 1787 Rickmer Bohn (Boysen) stammte aus Wrixum.

1787 – 1798 Regina Rickmers, seine Witwe

1798 – 1830 Peter Peters, der Regina Rickmers heiratete.

1824 – 1828 mit Brar Nickelsens Witwe, die nach Haus Nr. 63 zog.

1828 – 1830 mit Cornelius Breckling; dieser heiratete 1827 Cath. Friederike Harrsen und starb 1830 außerhalb des Landes.

1831 – 1893 Erich Jürgen Bohnitz aus Midlum heiratete 1831 Cath. Friederike Breckling, die 1846 starb. In 2. Ehe heiratete er 1847 die Witwe Ehlen Bohn aus Alkersum

1893 – 1900 Ehlen Bohnitz, seine Witwe. Als diese 1900 starb, schrieb „Der Insel-Bote“ von einer der reichsten Besitz.rinnen der Insel.

1900 – 1949 Sophus Friedrichs aus dem Haus „Lohdeel“, verheiratet mit Christine geb. Dethlefs, erwarb das Haus, betrieb Landwirtschaft und fuhr den Milchwagen für die Meierei. Ab 1916 Posthalter.

1949 – 1979 Detlef Friedrichs, sein Sohn und Ida geb. Braren; Landwirt und Posthalter.

1979 - 1999 Hanne Pergande geb. Friedrichs, die Jüngste von sieben Töchtern; Ida Friedrichs, Witwe von Detlef Friedrichs bewohnt das Haus bis zu Ihrem Tod 1999. 1968 Verlegung der Poststelle in das neue Postgebäude „Haus Hardina“, Posthalterin Tochter Hardina.

1999 – 2000 Grundrenovierung des Hauses durch Hanne Pergande und ihren Mann Karl-Heinz Pergande. Seit dem wohnt der älteste Sohn Hanne`s Detlef Pergande mit seiner Frau Kerrin und Tochter Ida dort.

2004-2005 Umbau des ehemaligen Stallgebäudes zur Teestube und Café. Detlef und Kerrin Pergande betreiben seitdem die Teestube in dem umgebauten Stallgebäude.